Es ist die Erfolgsstory: Über 90% der 18-35 jährigen Bevölkerung in Deutschland besitzt ein Smartphone. Bereits im Erscheinungsjahr des IPhone 2007 wurden weltweit circa 120 Millionen Geräte verkauft. Bis 2016 steigerte sich die Anzahl der verkaufen Geräte auf jährlich nahezu 1,5 Milliarden Stück.

Die Nutzungsdauer eines Gerätes beträgt häufig nur zwei Jahre. In dieser kurzen Zeitspanne bringen einige Hersteller drei neue Generationen des Modells auf den Markt. Unter dem Motto „Shoppe dich glücklich“ wird von der Industrie ausgeblendet, welchen Müll wir mit unserem Einkaufsverhalten bzgl. Smartphones, Bildschirme und anderer elektronischer Geräte hinterlassen. So entstehen weltweit jährlich 50 Millionen Tonnen Elektroschrott, wovon lediglich 20 Prozent recycelt werden. Bis 2050 könnte der Elektroschrottberg auf 120 Millionen Tonnen jährlich anwachsen.

Ein erheblicher Anteil des Schrotts landet auf illegalem Wege in Länder wie Nigeria oder Ghana. Der illegale Export von E-Schrott aus EU Ländern beläuft sich nach einem Report des Basel Action Network (BAN) auf circa 350.000 Tonnen jährlich, was 17.500 40-Fuss Containern entspricht.

Zahlreiche Dokumentationen wie „Welcome To Sodom -- Dein Smartphone ist schon hier“ zeigen das Leben der Menschen auf der größten Elektroschrottdeponie Agbogbloshie inmitten von giftigen Rauch und Müll.

Für die Produktion eines Smartphones werden 70kg an natürlichen Ressourcen benötigt. Beim Abbau der benötigten Metalle wie „Seltene Erden“ kommen umweltschädigende Chemikalien zum Einsatz und nicht selten sind Kinder an diesen Arbeiten beteiligt. Der Earth Overshoot Day mahnt uns symbolisch, dass wir mehr natürliche Ressourcen verbrauchen als nachwachsen können. Wir leben auf Pump kommender Generationen. Während der Erdüberlastungstag 1979 noch auf den 29. Oktober fiel, lag er 2019 schon auf dem 29. Juli. Dem Modell nach bräuchten wir heute schon 1,75 Erden, um unseren Ressourcenbedarf zu decken. 2050 werden es bereits 3 Erden sein. Zu dem Zeitpunkt erwartet die UNO 9,7 Milliarden Menschen auf diesen Planeten.

Welchen Fußabdruck hinterlassen wir?

Wollen wir nachhaltig handeln, sollten wir die Geräte möglichst lange verwenden und darin befindliche Ressourcen anschließend wieder aufbereiten. Im Falle des Smartphones kannst du deinen ökologischen Fußabdruck wie folgt verringern:

1. Display und Gehäuse deines Smartphones mit Folie und Hülle schützen
Vielen Leuten ist die Reparatur des Displays nach einem Sturz zu teuer und sie kaufen ein Neugerät. Ein gepflegtes Gerät erhöht die Chance, dass es zu einem späteren Zeitpunkt anderweitig verwendet werden kann.

2. Lebensdauer des Lithium-Ionen Akkus erhöhen
Der Ladestand des Akkus sollte zwischen 30% und 70% gehalten werden, also nicht komplett entladen oder aufgeladen. Das Gerät sollte zudem nicht unnötig an dem Ladegerät hängen. Den Akku vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und bei Zimmertemperatur laden. Die optimale Betriebstemperatur liegt zwischen 10 und 35 Grad.

3. Software auf einen neuen Stand bringen
Nach Ablauf des Supports kann bei vielen Geräten mit Android Betriebssystem ein sogenanntes Custom-ROM installiert werden. Auf diese Weise erhältst du eine aktuellere Version des Betriebssystems und Sicherheitsupdates. Custom-ROMs werden u.a. von Lineage angeboten. Detaillierte Installationsanweisungen findest du im Falle von Lineage unter dem jeweiligen Modell. Das c’t Magazin berichtete in Ausgabe 4/17 unter der Überschrift „Android ohne Google“ ausführlich über die Installation eines Custom-ROMs.

Achtung: Mit der Installation eines Custom-ROMs verlierst du den Anspruch auf die Herstellergarantie/Gewährleistung. Zudem besteht die geringe Gefahr, dass das Gerät nicht mehr funktionstüchtig ist. Wir übernehmen keine Haftung und zeigen hier lediglich Möglichkeiten auf.

4. Reparatur
In vielen Städten sowie online gibt es Reparatur Services. Für technisch versierte Leute gibt es Anleitungen im Netz, um Reparaturen eigenständig vornehmen zu können.

5. Verkauf und Recycling
124 Millionen ungenutzte Handys liegen in deutschen Schubladen. Das entspricht einem Recycling-Potential von 2,9 Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber und 1100 Tonnen Kupfer. Gepflegte Geräte ohne Displayschaden, Kratzer oder abgebrochene Kanten lassen sich je nach Alter gut verkaufen und weiterverwenden. Neben Marktplätzen können die Geräte auch über Provider wie Telekom oder Vodafone verkauft werden, die das Gerät auf Wiederverwendung prüfen und nach Datenlöschung weiterverkaufen oder recyceln.

Auf keinen Fall sollte das Altgerät im Hausmüll landen!

Unser Engagement

Wir leisten Aufklärungsarbeit an Schulen und starten Sammelaktionen für das Recycling alter Handys. 4dignity betreibt eine Handy-Sammelbox. Der Erlös kommt Umweltprojekten zu Gute.