Es hatte sich herumgesprochen:

Acht bis zwölf Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr ins Meer, ein Container Plastik pro Minute. Plastik löst sich nur langsam auf, eine Plastikflasche nach 450 Jahren, eine Angelschnur nach 600 Jahren. Meereslebewesen und Seevögel leiden und verenden unter dem Plastik. – Na gut, verwende ich halt keine Plastiktüten mehr, hat sich der ein oder andere vielleicht gedacht.

Im Oktober 2018 dann ein kurzer Aufschrei in den Medien: Erstmals hatten Forscher aus Österreich Mikroplastik im Darm von Menschen nachgewiesen!

Bei Mikroplastik handelt es sich um kleinste Partikel von vielleicht gerade mal ein paar Mikrometer. Wir nehmen Mikroplastik über das Verspeisen von Meerestieren wie Garnelen oder Muscheln auf, über Meeressalz, Bier, Mineralwasser oder auch Leitungswasser. So ergab eine Studie mit 159 Leitungswasserproben aus aller Welt bis zu 61 Partikel pro Liter. Der schottische Professor Ted Henry fand zudem im Hausstaub Mikroplastik, welches sich auf unserem Essen niederlässt. Auf diese Weise nehmen wir pro Mahlzeit mehr als 100 Teilchen auf.

In unserem Staub befindet sich also bereits Plastik, das von Reifenabrieb, synthetischer Kleidung (Outdoor/Fleece-Jacken etc.), Kunststoffdecken -teppichen und anderen Plastikartikeln stammt. Wir essen Plastik, atmen Plastik und waschen unsere Hände und Haare mit Plastik enthaltenden Kosmetikartikeln. Über den Abfluss gelangt es in Flüsse und ins Meer oder als Klärschlamm auf Felder. Ein Teufelskreislauf, auch wenn noch darüber geforscht wird, wie gefährlich Plastik für den menschlichen Körper ist und ob Teilchen vom Darm ins Gewebe übergehen.

Der 5-Punkte-Plan des Bundesumweltministeriums (BMU) sieht nun vor, überflüssiges Plastik zu vermeiden und damit einhergehend den Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika bis 2020 zu beenden. Sollte das Ziel des Komplettverzichts der Hersteller bis 2020 nicht erreicht sein, will sich das BMU innerhalb der EU für ein generelles Verbot von Mikroplastik in Kosmetika einsetzen. Die Umsetzung kann sich somit noch hinziehen, aktiv werden kannst du schon jetzt.

Das kannst du sofort ändern:

Überlege dir beim Kauf von Kleidung, ob du das Stück wirklich benötigst. Nachhaltig leben heißt weniger Konsum => Kleidung lange tragen oder tauschen. 20% der Klamotten im Schrank werden nie getragen. Bevorzuge Naturfasern gegenüber Polyester. Neben dem Plastik kommen häufig auch schädliche Chemikalien bei der Herstellung zum Einsatz.

Um Kosmetika und Waschmittel mit Plastik zu identifizieren achte auf Polymere (zu erkennen an Poly-, wie Polyethylene, Polyacrylate …), AC (Acrylates Copolymer) oder ACS, Nylon, Dimethiconol, Methicone oder Siloxane. Smartphone-Apps wie Beat the Microbead oder Code Check können bei der Suche nach Mikroplastik oder anderen schädlichen Inhaltsstoffen unterstützen. Zertifizierte Naturkosmetik ist frei von Plastik.

Unser Engagement

Durch Vorträge und Aktionen betreiben wir Aufklärung zum Thema Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Mikroplastik. Der Verbraucher ist gefordert, Produkte mit Mikroplastik nicht mehr zu kaufen. Hierzu bedarf es Transparenz. Wir setzen uns für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und anderen Produkten ein.

  

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